deutsch
english

BLOG

von Leonhard Sappl

WIKI

zu den Themen verhandeln, Mediation und Problemlösungsstrategien.

Der Streit ums Kind

Kommt es in einer Ehe zur Scheidung, wird oft um das Kind bzw. die Kinder gestritten.

Häufig landet der Fall vor Gericht und dort lauern allerlei Gefahren.

Gibt es bei den Themen: "Regelung des Sorgerechts" oder "Regelung der Kinderbetreuungszeiten" alternative, individuelle, menschliche, dauerhafte und selbstbestimmte Lösungswege bzw. Lösungen?

Für den Mediator könnte sich die Lage so darstellen. (Hier im Beispiel sind Anwälte anwesend. Meist kann darauf verzichtet werden.)

Mutter und Vater sitzen am Verhandlungstisch beim Mediator gemeinsam mit ihren Anwälten

Auf die Frage des Mediators an die Mutter: "Wie möchten Sie das Sorgerecht regeln?" antwortet die Mutter: "Mein Sohn Siegfried soll bei mir leben und ich möchte das alleinige Sorgerecht für meinen Sohn haben. Ich schließe keine Kompromisse."

Der Mediator stellt die selbe Frage an den Vater und dieser antwortet: "Mein Sohn Siegfried soll bei mir leben und ich möchte das alleinige Sorgerecht für meinen Sohn haben. Ich schließe ebenfalls keine Kompromisse."

Der Mediator wiederholt die Antworten und fasst zusammen:
"Aus der Sicht der Mutter soll der Sohn allein zur Mutter." Die Mutter antwortet: "Ja, genau!"
"Aus der Sicht des Vaters soll der Sohn allein zum Vater." Der Vater antwortet: "Genau das habe ich gesagt!"
Der Mediator bedankt sich bei den Teilnehmern dafür, dass sie keine Kompromisse schließen möchten.
Denn das macht erst den Weg frei für die Win-Win-Lösung mit der jeder gewinnt.

Der Mediator erklärt der Mutter und dem Vater, dass es mit dem Ergebnis "Der Sohn soll nur zu mir allein!" keine Lösung geben kann mit der jeder von beiden zufrieden ist.
Er legt klar, dass es folgende Möglichkeiten für das weiter vorgehen gibt.
Entweder sie brechen die Mediation nun ab und die Eltern ziehen gemeinsam mit ihren Anwälten vor Gericht um mehrere Monate oder Jahre mit folgenden Gefahren um ihren Sohn zu streiten.

Oder die Eltern sind bereit gemeinsam für sich eine Lösung zu erarbeiten mit der am Ende jeder von beiden zufrieden ist.
Die Beschreitung des Rechtsweg bleibt auf Grund der Struktur der Mediation stets offen, da jeder von ihnen die Mediationssitzung jederzeit ohne von Angaben von Gründen freiwillig verlassen kann und darf.

Die Medianden erklären sich (nach kurzer Beratung mit ihren Anwälten) bereit, weiterzumachen.

Der Mediator erläutert, dass er den Bezugspunkt für die Fragen nach dem Sorgerecht ändert, damit eine Win-Win-Lösung möglich wird.
Dafür ist es nötig, dass er einen weiteren Stuhl an den Tisch holt, der für ihren Sohn Siegfried steht.
Da Siegfried abwesend und mit 5 Jahren noch nicht alt genug für die Teilnahme an einer Mediation ist, werden die Eltern abwechselnd die Rolle von Siegfried als ihren Sohn übernehmen.

Als erstes setzt sich die Mutter auf dem Stuhl.
Der Mediator gibt ihr Tipps und unterstützt sie, damit sie sich in ihren Sohn Siegfried einfühlen kann.
Nachdem sie mit ihrem Sohn empathisch verbunden ist, beginnt der Mediator mit der Befragung.

Die Mutter übernimmt die Stellvertreterrolle für ihren Sohn

Mediator: "Siegfried, deine Eltern sind heute hier, weil sie sich trennen möchten und eine für alle angenehme Lösung finden wollen.
Darf ich dir dafür einige Fragen stellen?"
Mutter als Stellvertreterin für Siegfried (MfS): "Ja."
Wie fühlst Du Dich, wenn Du mitbekommst, dass sich deine Eltern trennen möchten?
Mutter als Stellvertreterin für Siegfried kann eine Weile nichts sagen und bricht in Tränen aus.
Der Vater als Beobachter ebenso.
(Dies zeigt dem Mediator, dass sowohl Vater als auch Mutter emotional in der Lage sind, sich in andere Menschen einzufühlen und damit den Kummer und Schmerz eines anderen Menschen im eigenen Körper spüren können. Dies ist die Grundlage für den späteren Erfolg.)
Nach kurzer Zeit schluchzt MfS: Schlecht. Ich bin total traurig und wütend auf meine Eltern. Ich fühle mich verlassen.
Mediator: Hast Du einen Wunsch an deine Eltern?
MfS: Ich möchte nur bei Mama und Papa sein. Sonst nichts. Ich will das es wieder so ist wie früher.
Mediator: Gibt es jemanden den Du lieber hast? Mama oder Papa?
MfS: Nein, wie soll das gehen? Ich habe beide lieb und ich brauche beide. Mama und Papa.
Mediator: Könntest Du Dir vorstellen, nur bei Mama oder nur bei Papa zu leben?
MfS: Nein, ich will bei beiden sein.

Der Mediator entlässt die Mutter aus der Stellvertreterrolle für Siegfried und bittet den Vater die Stellvertreterrolle für seinen Sohn einzunehmen. Der Vater setzt sich dafür auf den bereitgestellten Stuhl

Der Vater übernimmt die Stellvertreterrolle für seinen Sohn

Der Mediator unterstützt den Vater, damit er sich in seinen Sohn Siegfried einfühlen kann.
Als der Vater bereit ist, beginnt der Mediator: "Siegfried, deine Eltern sind heute hier, weil sie sich trennen möchten und eine für alle angenehme Lösung finden möchten.
Darf ich dir dafür einige Fragen stellen?"
Vater als Stellvertreter für Siegfried (VfS): "Ist ok."
Mediator: "Wie fühlst Du Dich, wenn Du mitbekommst, dass sich deine Eltern trennen möchten?"
Nach längerem Warten antwortet VfS: "Ganz mies. Am liebsten wäre ich nicht mehr da. Es tut so weh."
Mediator: "Hast Du einen Wunsch an deine Eltern?"
VfS: "Ich will nicht, dass sie sich um mich streiten. Ich gehöre zu beiden."
Mediator: "Gibt es jemanden den Du lieber hast? Mama oder Papa?"
VfS: "Kommt darauf an. Manchmal ist es mit Papa schöner und manchmal mit Mama. Ja, eigentlich habe ich beide gleich fest lieb."
Mediator: "Könntest Du Dir vorstellen, nur bei Mama oder nur bei Papa zu leben?"
VfS: "Nein, das will und kann ich nicht."

Der Mediator entlässt den Vater aus der Stellverterterrolle für seien Sohn Siegfried.

Nach einer kurzen Pause hat der Mediator alle Antworten von Siegfried auf einer Magnettafel visualisiert.
Er fragt Mutter und Vater: "Wenn sie die Antworten ihres Sohnes lesen, was meinen sie wie sie das Sorgerecht für ihren Sohn regeln können?"
Die Mutter meint: "Wir beide sollten das Sorgerecht haben."
Der Vater: "Das sehe ich auch so. Wir sollten auch schauen, dass sich Siegfried bei uns Wohl fühlt, auch wenn wir geschieden sind."
Mutter: "Können wir für nächste Woche einen neuen Termin ausmachen? Ich brauche für heute eine Pause und muss das Ganze erst emotional verarbeiten."
Mediator: "Ist für mich in Ordnung und fragt des Vater, für sie auch?"
Vater: "Ja, darf ich ein Photo von der Magnettafel machen, mit des Aussagen von unserem Sohn?"
Mediator: "Ja, klar. Bis nächste Woche."

Dadurch, dass sich die Eltern mit Hilfe des Mediators empathisch in ihren Sohn eingefühlt haben, wurde der Bezugspunkt für die Lösung von "Mutter gegen Vater" verschoben nach "Das beste für unseren gemeinsamen Sohn".

Dies alles schafften die Eltern innerhalb von wenigen Stunden eigenverantwortlich ohne Streit, Familiengutachten, Gesetzesnormen und Richterspruch.

Ihr Sohn und die Gesellschfat wird es ihnen ein Leben lang danken.

Neuen Kommentar schreiben

comment-text

  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.